IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – April 2010

In meinem IT-Recht Update vom April 2010 hab ich Euch die wichtigsten Urteile aus diesem Monat zusammengefasst.

      BGH: Zuständigkeit deutscher Gerichte bei Klage gegen Internetveröffentlichung einer international tätigen Zeitung
      Der Gerichtsstand bei Rechtsverstößen im Internet ist ein Problem von internationalem Ausmaß – und zwar gerade deswegen, weil das Internet global verfügbar und nicht auf einzelne Länder beschränkt ist. Der Bundesgerichtshof hatte sich mit der Frage zu befassen (Urteil vom 02. März 2010 – Az.: VI ZR 23/09), ob deutsche Gerichte bei einer Klage gegen eine Internetveröffentlichung der NY Times international zuständig sein können, wenn der Artikel eindeutigen Bezug nach Deutschland aufweist.
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      LG Köln: 550 Musikstücke können 2.200.- EUR Abmahnkosten entstehen lassen
      Urheberrechtsverletzungen im Rahmen von Filesharing Börsen sind keineswegs ein Kavaliersdelikt, sondern beschäftigt die Rechtsprechung weiterhin umfassend. Das Landgericht Köln beispielsweise hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Höhe an Abmahnkosten beim Tausch von 550 Musikstücken angemessen erscheinen. Die Kölner Richter urteilten (Urteil vom 27.01.2010 – Az.: 28 O 241/09), dass in einem solchen Fall Abmahnkosten in Höhe von 2.200,- EUR angemessen sind.
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      OLG Hamburg: Werbung des „Smart Surfer“ wettbewerbswidrig
      Neben den mittlerweile weit verbreiteten Internet Flatrates gibt es noch unzählige sog. „Internet-by-Call“-Tarife, welche dem Nutzer meist ohne Anmeldung und ohne jede Vertragsbindung den Zugang ins Internet ermöglichen. Um Endnutzern den Zugang „by Call“ möglichst zu erleichtern und die Arbeit „nach den günstigsten Internet-Tarifen in der Galaxie“ abzunehmen, gibt es von Web.de eine Software namens „Smart Surfer“. Das OLG Hamburg hatte sich in einem erst jetzt veröffentlichten Urteil von Anfang Februar 2009 (Urteil vom 11.02.2009 – Az.: 5 U 130/08) mit der Frage zu befassen, ob die Werbung des Software-Tools wettbewerbswidrig ist.
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      OVG Hamburg: E-Mail genügt der Schriftform nur mit qualifizierter elektronischer Signatur
      Wenn durch das Gesetz die Schriftform vorgeschrieben ist, muss eineUrkunde von dem Aussteller eigenhändig durch Namensunterschrift unterzeichnet werden, vgl. § 126 Abs. 1 Alt. 1 BGB. Wenn die Schriftform durch die elektronische Form ersetzt werden soll, muss der Aussteller der Erklärung gem. § 126a Abs. 1 BGB seinen Namen hinzufügen und das elektronische Dokument mit einer qualifizierten elektronischen Signatur nach dem SigG versehen. Diese gesetzliche Vorgaben bestätigte das OVG Hamburg nun in einem Beschluss vom 15.01.2010 – Az.: 8 Bf 272/09).
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      OLG Düsseldorf: Rechtskauf-Regeln bei Verkauf von Adressdaten anwendbar
      In den letzten Monaten wurde in den Medien mehrfach von Datenskandalen berichtet, bei denen oftmals sensible Daten wie Bank- und Adressdaten von Personen ausgelesen und schließlich verkauft wurden. Der Verkauf von Adressdaten ist allerdings nicht per se rechtswidrig. Das OLG Düsseldorf hatte sich in einem aktuellen Urteil (Urteil vom 17.02.2010 – Az.: I-17 U 167/09) mit der umstrittenen Frage auseinanderzusetzen, welche rechtlichen Regelungen beim Kauf von Adressdaten zu Werbezwecken anwendbar sind.
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      LG Hamburg: Ordnungsgeld von 1.500€ gegen Rapidshare wegen Verstoß gegen einstweilige Verfügung
      Erst im Februar 2010 erwirkten einige Verlage gegen den 1-Click-Hoster Rapidshare eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Hamburg, wonach dieser verpflichtet werden sollte, bestimmte Buchtitel nicht mehr auf seiner Plattform zur Verfügung zu stellen. Anfang März hatte das Hamburgische Landgericht dann über einen Verstoß gegen eine einstweilige Verfügung – die bereits im Oktober 2009 ergangen war – zu entscheiden (Beschluss vom 09.03.2010 – Az.: 308 O 536/09) und erlegte dem Filehoster ein Ordnungsgeld in Höhe von 1.500 EUR auf.
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      EuGH: Hinsendekosten sind beim Widerruf durch den Versandhändler zu erstatten
      Wird im Fernabsatz ein Vertragsschluss widerrufen, hat der Käufer die Ware an den Händler zurückzusenden. Die Rücksendekosten trägt dabei grundsätzlich der Händler, wenn er nicht im zulässigen Rahmen eine Kostenübernahme im Rahmen der sog. 40-EUR-Klausel mit dem Käufer vereinbart hat. Nach einem aktuellen Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) müssen Händler jetzt auch noch die ursprünglichen Hinsendekosten an den Käufer erstatten (Urteil vom 15.04.2010 – Az.: C-511/08).
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      OLG München: Versenden von 1.000 Abmahnungen kann rechtsmissbräuchlich sein
      Grundsätzlich haben Abmahnungen die Aufgabe, auf direktem und kostengünstigerem Weg einen Rechtsstreit zu beenden, ohne den teuren Gerichtsweg einschalten zu müssen. Vor allem im urheberrechtlichen und wettbewerbsrechtlichen Bereich wurden jedoch teilweise so viele Abmahnungen von Anwälten ausgesprochen, dass diese nur noch als „Abmahnanwälte“ Bekanntheit erlangten. Das OLG München hatte sich nun in einem Fall mit der Frage auseinanderzusetzen, ab welcher Zahl Abmahnungen diese Masse rechtsmissbräuchlich ist (Beschluss vom 10.08.2009 – Az.: 29 U 3739/09).
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      OLG Celle: Hacker Software auf Dienst PC stellt außerordentlichen Kündigungsgrund dar
      Grundsätzlich sieht das Gesetz gemäß §95 Absatz 3 Nr. 3 UrhG ein Verbot für den Besitz von Vorrichtungen […], die hauptsächlich entworfen, hergestellt, angepasst oder erbracht werden, um die Umgehung wirksamer Maßnahmen zu ermöglichen oder zu erleichtern. Damit statuiert der Gesetzgeber ein Verbot gegen Hacker Software. Das Oberlandesgericht Celle hat entsprechend diesem gesetzlichen Verbot entschieden (Urteil 27.01.2010 – Az.: 9 U 38/09), dass der Besitz solcher Software auf einem dienstlichen Notebook einen außerordentlichen Kündigungsgrund darstellt.
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BGH: Google Bildersuche verletzt keine Urheberrechte

Der unter anderem für das Urheberrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat heute entschieden (Urteil vom 29. April 2010 – Az.: I ZR 69/08 – “Vorschaubilder”), dass Google nicht einer Urheberrechtsverletzung haftbar gemacht werden kann, wenn urheberrechtlich geschützte Bilder in der Bildersuche in Form von Vorschaubildern (sog. “Thumbnails”) dargestellt werden.

In der Pressemitteilung des BGH heißt es unter anderem:

Die Klägerin ist bildende Künstlerin und unterhält eine eigene Internetseite, auf der Abbildungen ihrer Kunstwerke eingestellt sind. Im Februar 2005 wurden bei Eingabe ihres Namens als Suchwort in die Suchmaschine der Beklagten [Google] Abbildungen ihrer Kunstwerke als Vorschaubilder angezeigt.

Die Vorinstanzen haben die auf Unterlassung gerichtete Klage der Klägerin abgewiesen. Nach Ansicht des Berufungsgerichts hat die Beklagte zwar das Urheberrecht der Klägerin widerrechtlich verletzt. Die Geltendmachung des Unterlassungsanspruchs sei jedoch rechtsmissbräuchlich (§ 242 BGB).

Der Bundesgerichtshof hat die Revision der Klägerin zurückgewiesen. Er hat angenommen, dass die Beklagte schon keine rechtswidrige Urheberrechtsverletzung begangen hat. In Übereinstimmung mit den Feststellungen des Berufungsgerichts ist der Bundesgerichtshof davon ausgegangen, dass die Klägerin zwar nicht durch eine ausdrückliche oder stillschweigende rechtsgeschäftliche Erklärung Google ein Recht zur Nutzung ihrer Werke als Vorschaubilder im Rahmen der Bildersuche eingeräumt hat. Der in der Wiedergabe in Vorschaubildern liegende Eingriff in das Recht der Klägerin, ihre Werke öffentlich zugänglich zu machen (§ 19a UrhG), ist jedoch gleichwohl nicht rechtswidrig, weil die Beklagte dem Verhalten der Klägerin (auch ohne rechtsgeschäftliche Erklärung) entnehmen durfte, diese sei mit der Anzeige ihrer Werke im Rahmen der Bildersuche der Suchmaschine einverstanden. Denn die Klägerin hat den Inhalt ihrer Internetseite für den Zugriff durch Suchmaschinen zugänglich gemacht, ohne von technischen Möglichkeiten Gebrauch zu machen, um die Abbildungen ihrer Werke von der Suche und der Anzeige durch Bildersuchmaschinen in Form von Vorschaubildern auszunehmen.

Dem Geschäftsmodell “Bildersuche im Internet” wird damit aus Karlsruhe grundsätzlich offen begegnet. Wer ins Internet gestellte Bilder für den Zugriff durch Suchmaschinen zugänglich macht, ohne eine technische Möglichkeit zu nutzen, die Vorschaubilder seiner Werke durch Bildersuchmaschinen zu unterbinden, muss in den Augen der Karlsruher Richter solche Thumbnails auch dulden (vgl. bereits die BGH “Paperboy”-Entscheidung). Wer seine Seite bewusst mit Meta-Tags und sonstigen Methoden (z.B. CMS Plugins) für Suchmaschinen optimiert, kann sich später nicht auf eine unzulässige Zugänglichmachung in einer Suchmaschine berufen.

Außerdem wurde in einem obiter dictum darauf hingewiesen, dass Google die Privilegierungen des Host Providers zugute kämen, wonach Google erst haften müsste, wenn ihm ein rechtswidriger Verstoß auch offenkundig werde. (vgl. auch das “notice and takedown”-Prinzip in den USA, linksandlaw.de) Dies gilt insbesondere für die Fälle, in denen die von der Suchmaschine aufgefundenen Bilder von Personen ins Internet geladen werden, die dazu nicht berechtigt sind. Es gelten dann die Haftungsbeschränkungen für Anbieter von Diensten der Informationsgesellschaft nach der Richtlinie 2000/31/EG über den elektronischen Geschäftsverkehr (EuGH, Urt. v. 23.3.2010 – C-236/08 bis C-238/08 Tz. 106 ff. – Google France/Louis Vuitton).

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Accounts löschen im Web 2.0 – leicht gemacht?
September 3rd, 2010

Mittlerweile ist das Web 2.0 nur so überflutet an mehr oder weniger sinnvollen Diensten und sozialen Netzwerken. Eine Anmeldung dort gestaltet sich dabei in der Regel sehr einfach, teilweise benötigt man sogar nur die Angabe einer E-Mail Adresse und eines Passworts. Der Rest der Profilangaben kann später nachgeholt werden. So einfach wie sich die Anmeldung gestaltet, so schwierig gestaltet sich hingegen die Löschung des Accounts in solchen Diensten.

Was tun bei unberechtigten File-Sharing Abmahnungen?
September 2nd, 2010

Holger Bleich, Joerg Heidrich und Thomas Stadler schreiben in der c’t 19/10 zum Thema “Was tun bei unberechtigten File-Sharing Abmahnungen?” einen interessanten Artikel, der jetzt auch online verfügbar ist.

Google AdWords: Werbung mit fremden Markennamen erlaubt
August 16th, 2010

Google hat auf seinem Google AdWords Blog angekündigt, dass es ab 14. September 2010 im europäischen Raum möglich sein soll, als Inserent der AdWords Anzeigen sogar mit fremden Markennamen werben zu können. Der Internetsuchgigangt beruft sich dabei ausdrücklich auf die Entscheidung vom EuGH von Ende März 2010.

BGH: Sommer unseres Lebens
August 15th, 2010
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – Mai 2010
May 31st, 2010
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – April 2010
April 30th, 2010
BGH: Google Bildersuche verletzt keine Urheberrechte
April 29th, 2010
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – März 2010
March 31st, 2010
Umfrage: Haftung des Betreibers eines offenen WLANs?
March 21st, 2010
Update: BGH entscheidet über Haftung für verschlüsselte WLAN-Netze
March 20th, 2010
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – Februar 2010
February 28th, 2010
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – Januar 2010
January 31st, 2010
1. IT LawCamp am 20. März 2010 in Frankfurt am Main
January 29th, 2010
ePetition gegen die Zulassung von Ganzkörper-Nacktscanner
January 28th, 2010
Gottes Werk und Googles Beitrag
January 20th, 2010
Reihe: Studium IT-Recht und Geistiges Eigentum – Erfahrungsbericht aus Hannover
January 15th, 2010
Videos vom 26th Chaos Communication Congress – Here be dragons
January 4th, 2010
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – Dezember 2009
December 31st, 2009
Recht in den virtuellen Welten – Eine rechtliche Annäherung
December 23rd, 2009
Reihe: Studium IT- und Medienrecht – Erfahrungsbericht aus Passau
December 22nd, 2009
Vorträge der DSRI Herbstakademie als Videos abrufbar
December 21st, 2009
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – November 2009
November 30th, 2009
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – Oktober 2009
October 31st, 2009
IT-Recht-Update: Aktuelles aus der Rechtsprechung – September 2009
September 30th, 2009
Thomas Hoeren – Internetrecht (Stand: September 2009) verfügbar
August 17th, 2009
Freiheit statt Angst – Bundesweite Demonstration in Berlin am 12. September 2009
August 12th, 2009
Umfrage: Sollte der Staat verbotene Inhalte im Netz sperren können?
August 4th, 2009
aspekte (ZDF) – Beitrag zum Zugangserschwerungsgesetz
August 2nd, 2009
Doku: Was kommt nach dem Copyright?
August 1st, 2009
Keine Netzsperren ab 1. August! Zugangserschwerungsgesetz tritt vorerst nicht in Kraft
July 31st, 2009
Verlosung: Drei “Meine Daten und ich” DVDs zu gewinnen
July 31st, 2009
Live: Diskussionsforum zu Internetsperren – Überwachungsstaat oder Schutz von Kinderrechten und Menschenwürde?
July 28th, 2009
Meine Daten und ich – Wenn die Sicherheit die Bürgerrechte bedroht
July 28th, 2009
Josh Wattles: “Neue Technologien erfordern neue Gesetze”
July 27th, 2009
Der gläserne Deutsche – Wie wir Bürger ausgespäht werden
July 26th, 2009
Thomas Hoeren über das Urheberrecht in der digitalen Gesellschaft
July 20th, 2009
www.kino.to & Co. – Urheberrechtliche Zulässigkeit von Video-Streams
July 19th, 2009
Passauer Neue Presse berichtet über Datenpanne bei der DHL
July 13th, 2009
Datenpanne bei der DHL? Sendungsverfolgung für fremde Pakete
July 10th, 2009
Hat eine Verfassungsbeschwerde gegen das Zugangserschwerungsgesetz Aussicht auf Erfolg?
July 8th, 2009
YouTube und die Zukunft des Urheberrechts
July 7th, 2009
Session zum rechtskonformen Blogging
July 1st, 2009
1. Regensburger Datenschutztag (2009)
June 24th, 2009
Impressumspflicht für Twitter Accounts?
June 22nd, 2009
Herzlich Willkommen auf netzrecht.org!
June 20th, 2009