Doku: Was kommt nach dem Copyright?
1. August 2009 von Sebastian EhrhardtNach den Beiträgen von Thomas Hoeren und Josh Wattles zum Thema, warum wir ein neues Urheberrecht brauchen, bin ich nun auf eine 45minütige Doku bei netzpolitik.org aufmerksam geworden, die wohl bereits 2008 bei 3sat lief. Der Film entstand wohl u.a. im Rahmen der Ars Electronica 2008 in Linz.
Keiner gibt es zu, aber viele tun es: Fotos, Filme und Musik aus dem Internet herunterladen, ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Die in der Regel jugendlichen “Netz-Piraten” werden von Legionen von Anwälten international gejagt. Andererseits entscheiden sich immer mehr renommierte Künstler, ihre kreativen Produkte kostenlos übers Internet anzubieten und Platten- oder Filmfirmen gezielt zu übergehen. (via)
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Webseite | 11. September 2009 um 09:41 Uhr
Was kann man von diesem Film lernen:
1. Der durchschnittliche Österreicher kauft 2 CDs pro Jahr. Generiert also einen Umsatz von 30,- Euro.
2. Die Künstler erhalten im Schnitt 5-10% der Verkaufsumme einer CD. Macht also gerade 1,50 bis 3 Euro pro _Jahr_.
3. Man kann sich ein abendfüllendes Programm in guter Qualität per Vimeo innerhalb von 2 min auf den Rechner laden.
4. Es gibt kein funktionierendes anonymes und bequemes Miropaymentsystem, vergleichbar mir Bargeld. Ansonsten hätte ich gestern gerne ein paar Cent an Vimeo und Filmschaffende gezahlt.
Die Rechnung zeigt, man kriminalisiert einen großen Teil der Bevölkerung (als “Raub”kopierer etc.) bei einem effektiven Streitwert von etwa 20 Cent pro Monat! Der Überwiegende Teil der Verkaufserlöse geht bisher an Handel und Vertrieb.
Aufgrund des notwendigen Wirtschaftswachstums sind mit Kosteneinsparungen verbundene technologische Effizienzsteigerungen, hier in der Vertriebsstruktur, allerdings unverzichtbar! (Die Rolle des Handels übernimmt somit zunehmend der DSL-Provider und Webhoster etc..)
Illegale Downloads etc. wird es wohl immer geben, so wie es Zweitleser bei Zeitschriften gibt. Aber, die Musikindustrie muss sich vom Verkauf einzelner Medien lösen und zu neuen Vertriebsformen wie Streamingportalen übergehen. Der Nutzer würde bei solchen Portalen vollen Zugriff auf alle Musiktitel (das gesamte Archiv) bekommen und sich damit das Downloaden, Archivieren und Synchronisieren der Daten zwischen seinen PCs, Netbook, Handy etc. sparen. Zwei bis Drei Euro pro _Monat_ wäre dies viel Konsument wahrscheinlich wert. Zahlen würde der Verbraucher für den _Service_ der Musikbibliothek.
Da der Musikgeschmack sich bei vielen Nutzern solcher Angebote weit vom Mainstream entfernt, würden viel mehr Musiker von den Einnahmen profitieren, denn es ist zu vermuten, dass von den bisherigen Einnahmen (2-3 Euro pro Jahr, siehe oben) der Löwenanteil an internationale Superstars geht. Der einzelne Künstler könnte vielmehr in Zukunft seine Musik bei den Streaminganbietern hochladen, so wie es Softwareentwickler im App-Store bei Apple und Google-Android tun und würde am Umsatz beteiligt.
Gewinner wäre also ganz klar der Kunde der für sein Geld nicht nur 2 CDs sondern vollen Zugriff auf eine breites Musikangebot bekommt, sowie der gemeine Künstler durch höhere Einnahmen und Bekanntheit. (Vergleiche 2,- Euro monatlich statt bisher 3,- Euro pro Jahr/Kunde an die Schaffenden). Überflüssig werden würde ganz klar die Contentindustrie, die selbst keinen Content schafft, sondern von den Künstern lebt und derzeit mit allen Mittel um eine Besitzstandswahrung kämpft.
Ein sehr spannender Film mit vielen interessanten Interviews wurde unter
http://www.stealthisfilm.com
frei ins Netz gestellt (um eine kleine Spenden wird dort gebeten).
Gruss, Patrick
PS: Übrigens, sehr interessanter und wichtiger Blog mit einer guten Auswahl an Beiträgen. Danke!